Brainstormen mit brainR

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Titel:

Was passiert zwischen copy & paste?

Beschreibung:

Ctrl C + Ctrl V ist schnell gedrückt. Vielleicht wird das copy/paste -Syndrom ja sogar überschätz als neue Kulturtechnik, die angeblich nur Netzplagiate hervorbringt http://delicious.com/HeikoIdensen/googleCopyPasteSyndrom ... andererseits könnte man bei copy/paste doch vielleicht auch von einer ganz neuen Schreibweise, einer ganz neuen Art und Weise der Wissensproduktion sprechen ... Deshalb meine Frage: Was passiert ZWISCHEN copy und paste: also ZWISCHEN dem markieren einer Informations & Text-Einheit - und dem EINFÜGEN in einen neuen Kontext/ Zusammenhang Insofern könnte copy/paste vielleicht anknüpfen an künstlerische Entwendungsstrategien, wie sie etwa in der experimentellen Literatur im cutUp-Verfahren auftauchen http://www.netzliteratur.net/idensen/lexikon.html#Heading45 Das hat im übrigen die Literatur-Theorie schon 1968 vorausgesagt: "Ein Text ist aus vielfältigen Schriften zusammengesetzt, die verschiedenen Kulturen entstammen und miteinander in Dialog treten, sich parodieren, einander in Frage stellen. Es gibt aber einen Ort, an dem diese Vielfalt zusammentrifft und dieser Ort ist nicht der Autor [...], sondern der Leser. Der Leser ist der Raum, in dem sich alle Zitate, aus denen sich die Schrift zusammensetzt, einschreiben, ohne dass ein einziges verloren ginge. Die Einheit eines Textes liegt nicht in seinem Ursprung, sondern in seinem Zielpunkt. [...] Die traditionelle Kritik hat sich niemals um den Leser gekümmert; sie kennt in der Literatur keinen anderen Menschen als denjenigen, der schreibt. [...] Wir wissen, dass der Mythos umgekehrt werden muss, um der Schrift eine Zukunft zu geben. Die Geburt des Lesers ist zu bezahlen mit dem Tod des Autors." (Barthes, Roland: "Der Tod des Autors", in: Texte zur Theorie der Autorschaft, hg. v. Fotis Jannidis, Gerhard Lauer, Matias Martinez, Simone Winko, Stuttgart 2000, S. 185-193, hier S. 190 f.; OT Paris 1968)

Schlagwörter:

cutup, copyPaste, Entwendung, web 2.0, literatur

Brainstorming-Informationen:
Nummer: 15922
Datum:  06.05.2010 14:05
Kategorie: Medien, Internet und Computer

brainR ist inzwischen 5 Jahre alt. Vielen Dank an alle, die brainR zu dem machen, was es ist!

Neue Idee:


Indicator
20: Umformulierung, Ausbesserung der Version von Gestern
19: die Zwischenablage könnte durch ein anderes Programm ausgelesen werden
18: vielfältige weitere Interaktionen mit dem Rechner können geschehen, auch ein weiteres ^V
17: falls das Telefon klingelt oder andere Ablenkungen hereinschneien kann der Nutzer eine Behelfsablage wählen, bis er nach der Störung den beabsichtigten Einfügepunkt gefunden hat (insbesondere bei ^X fuer Ausschneiden)
16: der Nutzer kann überlegen wohin er die Einträge haben möchte und die Stelle anwählen
15: der Nutzer ist wieder Herr über den Mauszeiger und kann die Anwendung und Position wechseln
14: andere Anwendungen erhalten ein Signal daß Zwischenablagedaten des Formats ... verfügbar sind
13: ggf. wird in Outlook ein Vermerk über eine weitere Zwischenablage vorgenommen
12: die Bytes und Formate des zu kopierenden Inhalts werden in einen Zwischenspeicher gelesen und als ein Block verwaltet
11: Es wird der Typ der zu kopierenden Inhalte bestimmt
10: es wird die Anzahl der zu kopierenden Segmente bestimmt
9: es wird bestimmt wie weit die Markierung des zu kopierenden Bereiches langt
8: das Programm erkennt eine Sonderfunktion
7: @2: copy&paste ist KEINE kulturtechnik..!
6: copypast-twittersoftware
5: klugschiss
4: zwischen Copy und Paste nehm ich mir nen Schluck - das passiert =)
3: Nachtrag @2: Jeder Autor erstellt letztlich sein Werk mit dem Hintergedanken, dass er "erhört" wird von anderen. Er schreibt seinen Text, weil er sich anderen mitteilen möchte (egal aus welchem Grund), sprich er möchte andere Menschen oder die Menschheit insgesamt auf irgendeine Art bereichern. Als einziges Werk bzw. Buch, das ausschließlich allein dem Autor vorbehalten bleiben soll, darf wohl das persönliche Tagebuch bezeichnet werden. Aber selbst dieses ist mittlerweile durch soziale Netzwerke wie Facebook oder Twiter öffentlich geworden (freilich nur für den, der sich dazu entschieden hat). Jeder, der sich als Autor betätigt, muss wissen, dass das von ihm erstellte Werk in irgendeiner Art und Weise zitiert, sinngemäß wiedergegeben oder unter Zuhilfenahme des Wissens daraus ein neues Werk geschaffen werden kann. Natürlich darf das neu entstandene Werk in seiner Gesamtheit nicht zu sehr dem Ursprungswerk ähneln, ansonsten wäre freilich die Einholung der Erlaubnis des Urhebers erforderlich. Wer jedoch sicherstellen will, dass sich bestimmtes Wissen oder bestimmte Informationen nicht verbreiten, der sollte nicht als publizierender Autor tätig werden, egal über welches Medium. Die Medien insgesamt (Print, TV, Internet, Telefon, Mobilfunk) sind zudem heute ohnehin derart vernetzt, dass ein Informationsstopp in keinster Weise denkbar wäre. Zu früheren Zeiten ist die Informationsverbreitung wie gesagt wesentlich langsamer vonstatten gegangen, aber gegeben hat es sie immer schon.
2: rein technisch gesehen passiert zwischen dem Copy & Paste nichts anderes als ein Abspeichern des Inhaltes (Objektes) in einer Zwischenablage und das dortige Wiederherausholen, um diese Information möglicherweise für sich zu nutzen... das ist im Grunde nichts anderes, als ein älteres Lied auf LP oder CD zu hören, dessen Inhalt zur Kenntnis zu nehmen, um dann in einer neuen, aufgefrischten Fassung ein Cover herauszubringen (freilich nur mit Erlaubnis des Urhebers)... entscheidend ist, dass hierbei wiederum ein neues Werk geschaffen wird... schon immer entstanden - vor allem in der wissenschaftlichen Literatur - neue Werke dadurch, dass aus alten Werken zitiert wurde (auch bereits vor dem heutigen Copy & Paste Zeitalter), dortige Informationen in einer neuen Komposition zusammengetragen und um zusätzliche Inhalte angereichert wurden... dennoch ist der Erstautor einer entsprechenden Information nicht zwangsweise "tot", nur weil andere es gelesen und ggf. weiterverwertet haben... Wissenschaften wie z. B. die Physik entwickeln sich stetig weiter und durch immer wieder neue Werke wird das Wissen der Welt zusammengetragen und stets weiterentwickelt und verbessert, was nur durch das Aufnehmen bereits vorhandener Informationen möglich ist... auch wenn die Physik heute wesentlich weiter ist als vor 100 Jahren, so wird dennoch niemand die Einstein'sche Schrift zur Relativitätstheorie für tot erklären, nur weil das Wissen daraus weiterverwendet wurde... insofern kann ich dem Zitat "Die Geburt des Lesers ist zu bezahlen mit dem Tod des Autors" nicht zustimmen... im Gegenteil - wenn die Schrift des Erstautors bedeutend genug ist, wird sie für lange lange Zeit fortleben, weil sie in die Geschichte eingeht.... gäbe es keinen einzigen Leser, würde jeder Autor nur für sich selbst schreiben, niemand außer er selbst würde die Literatur zur Kenntnis nehmen und so wäre auch keinerlei Weiterentwicklung der Menschheit möglich - und genau das wäre dann der Tod nicht nur das Autors, sondern der gesamten Menschheit, denn es würde dann große Sinnlosigkeit im Lebens herrschen und schließlich eine Rückentwicklung bis hin zur Selbstausrottung stattfinden... schon immer hat die Menschheit davon gelebt, dass die Nachkommen von ihren Vorfahren gelernt haben und dass Wissen und Informationen (aber auch Geschichten) weitergetragen wurden, egal ob durch Wort oder Schrift... dabei spielt es keine allzu große Rolle, ob sich Informationen durch Printmedien verbreiten und weiterverwertet werden oder ob durch Medien wie TV oder Internet... sicherlich kann man wohl sagen, dass durch das heutige Copy & Paste die Wissensverbreitung und Informationsversorgung rasant zunimmt, aber an der prinzipiellen Art des Menschen, sich weiterzuentwickeln, ändert das nichts... insofern würde ich sagen, dass das Copy & Paste als neue Kultutechnik überschätzt wird, da es die Informations- und Wissensvervielfältigung auch schon vorher gab, wenn auch unter erschwerten Bedingungen
1: der text wird durch den virtuellen hegemann-kompensator geschickt und dreifach verstärkt...

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